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Probieren geht über Studieren? Das stimmt nicht nur beim Puddingkochen, sagt Andreas Muxel. Und das ist will etwas heissen, schließlich ist Andreas Professor. Genauer gesagt ist er Professor für Interface/Interaction Design an der Köln International School of Design. Am 29. August hat er bei unserem zweiten CreativeMorning Cologne im Barthonia Showroom über “Failure” gesprochen. 

Klar, wer etwas ausprobiert läuft Risiko zu scheitern. Aber zum Thema Scheitern hat Andreas eine sehr klare Meinung. Es sei nicht nur gar nicht schlimm zu scheitern, ganz im Gegenteil, es sei notwendig, um voranzukommen, findet er. Denn wer ausprobiert und dabei scheitert kommt zu Ergebnissen und Ideen, die er sonst nie gehabt hätte.

“In unserer Gesellschaft wird erwartet, dass wir nicht scheitern,” sagt Andreas. “Es wird von uns erwartet, keine Fehler zu machen und ein perfektes Ergebnis zu liefern. Doch in meiner Arbeit sind die Momente, in denen etwas schief ging, genau die, in denen es spannend wurde.”

Sein “Connect”-Projekt ist so ein Fall. 2008 arbeitete Andreas an einer mobilen Skulptur mit metallischen Kugeln, die an Schnüren von der Decke hingen und miteinander verbunden waren. Andreas wollte beobachten, wie sich die verschiedenen Elemente zueinander und miteinander verhielten. Um Verbindungen unkompliziert verändern zu können, hatte er die Verbindungsschnüre mit Magneten versehen. Eines Tages jedoch löste sich ein Magnet, sodass die Schnur wie ein Akrobat hin und her pendelte und die anderen Elemente nicht nur in Schwingung versetzte, sondern sie auch auf völlig willkürliche Weise miteinander verband und wieder losließ. Das fand Andreas so interessant, dass er das gesamte Projekt veränderte. Die Installation wurde ein großer Erfolg und sogar ausgezeichnet.

“Meistens denken wir zu viel und machen zu wenig,” sagt Andreas. “Konzepte sind wichtig, aber man kann nicht erst ganz am Ende mit der Umsetzung anfangen. Man muss von Anfang an ausprobieren.”  Denn die Herausforderung bei einem neuen Projekt liege meist nicht darin, den Weg von A nach B zu finden. Viel schwieriger sei es, herauszufinden, was B überhaupt ist. Die Antwort liegt darin, keine Angst vor Experimenten zu haben und dabei auch mal zu scheitern, um eine neue Idee zu bekommen. Deshalb ist Andreas auch so ein großer Probieren-Fan. Zum Beispiel durch das Bauen von Prototypen. Wie der Staubsaugerbauer James Dyson, der tausende Prototypen bauen musste, bis sein Produkt perfekt war. Jedes Scheitern hat ihn ein kleines bisschen näher an die Lösung gebracht, ein kleines bisschen mehr in die richtige Richtung geschubst. Das beobachtet auch Andreas jeden Tag bei den Projekten seiner Studenten. 

Oder um es mit Thomas Edison zu sagen: “I have not failed. I have just found 10,000 ways that won’t work.”

Du hast unseren letzten CreativeMorning verpasst? Kein Problem. Hier kannst du dir den kompletten Vortrag mit Andreas Muxel noch einmal ansehen. Unsere nächste Veranstaltung findet übrigens am 26. September in der Malzfabrik statt. Diesmal wird Nicolas Lecloux von truefruits unter dem Monatsthema “Color” sprechen. Mehr Infos hier.