Eine Woche mit...
Karina Schmidt (Organisations-Team CreativeMornings CGN) stellt Euch Menschen rund um unser Community vor. Den Anfang macht sie mit Elisabeth Kindler, unser Fotografin im September, Oktober und November. Wir hoffen natürlich, dass Eli uns noch viele Monate erhalten bleibt. Danke für deinen Support! #Giddyup
Jobs in der Kreativbranche tragen ein nahezu fantastisches Lifestyle-Image. Natürlich ist alles nicht so locker flockig wie es sich anhört. Wir wollen mit den Mythen aufräumen und geben einen Einblick in den Arbeitsalltag kreativer Köpfe. Hier eine Infografik mit Elisabeth Kindler und eine typische Woche aus ihrem Arbeitsalltag:



Letztes Jahr habe ich ein Event für eine Firma fotografiert. Es war eine Veranstaltung für Mitarbeiter und Kunden der Firma im Anschluss an eine Messe in Düsseldorf. Am Anfang des Abends waren alle Leute chic gekleidet, wirkten seriös und nett. Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung (Reden etc.) haben alle wahnsinnig viel Alkohol getrunken. Nach kurzer Zeit gab es kein Jacket oder Krawatte mehr, alle jubelten auf der Tanzfäche. Man kann also sagen: “gelungene Party”. Ich sollte allerdings bis nachts um 1 Uhr für den Kunden die Feier fotografisch festhalten. Betrunkene Leute finden es lustig, einem zu versuchen die Kamera wegzunehmen und selber zu fotografieren. Ich habe dafür eher wenig Verständnis, denn es handelt sich immerhin um mein Arbeitswerkzeug. Kaputte Gläser auf dem Boden, Drinks auf meiner Kleidung, ältere Männer, die dachten es wäre angebracht, zu versuchen die Fotografin anzugraben … Eskalation!


Branchenmeinung
Dein Fotografenalltag besteht also nicht aus fröhlichem Rumknipsen in netter Gesellschaft und mit super heißen Models?
Auch wenn manche Leute das gerne glauben, sieht der Alltag doch oft anders aus. Als Kreativer unterschätzt man manchmal die organisatorische Seite der Selbstständigkeit. Neben den aufregenden Jobs, gibt es leider auch die Büroarbeit, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Buchhaltung, Terminorganisation, Rechnungen schreiben, Emails beantworten …
Du hast Kommunikationsdesign studiert und bist jetzt als Grafikerin, Fotografin und Hochzeitsfotografin tätig. Warum machst du einen Cut zur Hochzeitsfotografie?
Nach dem Studium habe ich ganz zufällig meinen Weg in die Hochzeitsfotografie gefunden. Wenn ich allerdings einem Grafikkunden erzähle, dass ich auch Hochzeiten fotografiere, bekomme ich häufig eine komische Resonanz darauf. Es wird von einem erwartet, dass man sich in einem Tätigkeitsfeld spezialisiert, sonst wird einem nicht so viel zugetraut. Ich persönlich finde das wirklich schade, denn ich genieße meinen abwechslungsreichen Alltag. Am Wochenende fotografiere ich eine Hochzeit, unter der Woche erstelle ich ein neues Corporate Design für z.B. einen Massage-Salon. Ich zehre von dem Input und kann daraus neue Kreativität gewinnen um frisch in einen anderen Job zu starten. Diese Abwechslung erhält mir meine Neugierde.
Hochzeitsfotografie - der Traumjob?
Ich liebe es Paare an ihrem Hochzeitstag zu begleiten und jeden Moment in Fotos einzufangen. Mein Lieblingsmoment ist das Getting Ready. Die Nervosität und Vorfreude liegt in der Luft und es gibt so viele spannende, intime Momente, die festgehalten werden wollen. In dieser Zeit baut sich eine persönliche Bindung zum Hochzeitspaar auf und eine Vertrauensebene für den ganzen Tag wird geschaffen.
Außerdem befasse ich mich gerne mit Details: Brautkleid, Blumen, Schuhe und das lachende Gesicht der Braut wenn sie sich endlich fertig im Spiegel sieht. Pure Emotionen liegen in der Luft. Ich schöpfe aus diesen Momenten die Kraft für einen langen Hochzeitstag, denn die Freude des Paares ist immerhin der Grund, warum man solch einen Job macht!
Gibt es auch entspannte Paare?
Ich treffe mich immer vorher mit den Brautpaaren. Bei einem persönlichen Kennenlernen kann man meistens schon fühlen, ob das Paar auf der gleichen Wellenlänge ist. Das ist für mich sehr wichtig, denn ich lege in meine Fotos viel persönliches Gefühl, und wie soll das aufkommen, wenn man sich nicht versteht? Also, ja, meine Paare sind eigentlich immer ziemlich cool! Natürlich machen sich manche mehr Gedanken als andere, aber mit ein paar Tipps und Tricks zum Hochzeitstag lässt sich auch die aufgeregteste Braut beruhigen. Jede Hochzeit ist auf ihre Art und Weise einzigartig. Auch wenn ich schon öfters in der gleichen Location war, versuche ich jedes Mal einen neuen Blickwinkel zu bekommen und neue Details zu entdecken, damit kein einziges Foto austauschbar wird. Jedes Paar ist anders und soll auch seine ganz individuellen Erinnerungen von mit festgehalten bekommen.


Da gibt es viele! Ich liebe meine Arbeit und es ist wirklich selten, dass ich nach Hause komme und denke: “was war das denn bitte?” Ich lasse mich schnell von der Freude meiner Kunden anstecken und genieße, die glücklichen Momente, die ich festhalten darf. Egal wie lang oder anstrengend so mancher Tag sein mag, die Freude von Kunden über schöne Fotos machen alles wett!
